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Corona-Konjunkturpaket: Was ist drin für Ihr Unternehmen?

Dorothea Heymann-Reder
Dorothea Heymann-Reder
Lesezeit: 16 min.

Leidet Ihre Firma unter der Corona-Krise? Wenn ja, sind Sie nicht allein. Die Einschränkungen im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben ziehen eine Schneise der Verwüstung durch die Konjunktur. Das erkannte auch die Koalition und schnürte ein Konjunkturpaket, das es in sich hat. 130 Milliarden Euro sollen den stotternden Motor der Wirtschaft wieder anwerfen. Dieser Artikel analysiert, was das Konjunkturpaket enthält und wie Sie davon profitieren können.

Übrigens: Kennen Sie schon dan Überbrückungshilfen Kalkulator von Scopevisio ? Nicht? Dann wird es höchste Zeit. Mit diesem Rechner berechnen Sie ganz einfach, ob Sie Überbrückungshilfe beantragen können und wie hoch Ihre Förderung ist.

Selbsttest: Welche Hilfen können Sie brauchen?

Konjunkturpaket

High-Tech-Unternehmen werden sich freuen: Überall soll digitalisiert, saniert und dekarbonisiert werden. Besonders die öffentlichen Einrichtungen erhalten viel zweckgebundenes Fördergeld für Digitalisierung und Klimaschutz. Und wer sich schon immer mal einen neuen Dienstwagen leisten wollte, bekommt ab Juli Angebote, die er nicht ablehnen kann.

Wie das? Schauen wir einmal hinter die Kulissen des Konjunkturpakets. Vorhang auf.

Wenig Zeit? Die Links führen Sie zu Ihren Themen:

Programm für Überbrückungshilfen
Kurzarbeitergeld
Mehrwertsteuersenkung
Degressive Abschreibung
Verlustrücktrag
Einfuhrumsatzsteuer
Besteuerung als Kapitalgesellschaft
Schutzschirm für Auszubildende
Automotive-Investitionsförderung
Förderung der E-Mobilität
Forschung und Wissenschaft
Inländische medizinische Güter
Kommunikationstechnologien
Ausbau der Infrastruktur
Digitalisierung öffentlicher Einrichtungen
Vergaberecht vereinfachen
Insolvenz verhüten, Neustart erleichtern
Gebäudesanierung
Europäische EIB-Förderung für KMU

Programm für Überbrückungshilfen

Die Regierungskoalition gibt 25 Milliarden Euro für Überbrückungshilfen aus. Diese sollen Unternehmen am Leben halten, die in der Corona-Krise einen starken Umsatzeinbruch beklagen. Unternehmen der Hotellerie, Gastronomie, Event-Industrie und Tourismusbranche leiden besonders unter Umsatzausfällen. Für sie, aber auch für alle anderen Branchen ist die Überbrückungshilfe gedacht. Diese Förderung wird für Juni bis August 2020 gezahlt. Alle Eckpunkte zum Programm, sowie die Möglichkeit einer Antragsstellung, finden Sie auf der Webseite des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de

Antragsberechtigung: Bekommen Sie Überbrückungshilfen?

Antragsberechtigte sind Unternehmen und Organisationen aus allen Wirtschaftsbereichen, soweit sie ihre Geschäftsstätigkeit in Folge der Corona-Krise anhaltend vollständig oder zu wesentlichen Teilen einstellen mussten.

Diese Bedingung gilt als erfüllt,

wenn der Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 zusammengenommen (d.h. im Durchschnitt beider Monate) um mindestens 60% gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist und

  • wenn der Umsatz von Juni bis August 2020 weiterhin mindestens 50 Prozent niedriger ist als im Juni bis August 2019.

Wurde Ihr Unternehmen erst nach April 2019 gegründet, können Sie die Monate November und Dezember 2019 zum Vergleich heranziehen.

Anspruchsberechtigung: Wieviel Geld bekommen Sie?

Jetzt wird’s knifflig, aber genau deshalb hat Scopevisio auch den Überbrückungshilfen Kalkulator programmiert. Mit unserem Berechnungs-Tool berechnen Sie schnell und einfach die Höhe Ihrer Förderung. Das geht nach folgendem Schema:

  • Sank Ihr Umsatz um 40 bis 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, erhalten Sie bis zu 40% Ihrer Fixkosten erstattet
  • Schrumpfte Ihr Umsatz um 50 bis 70 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat, bekommen Sie bis zu 50 Prozent Ihrer fixen Betriebskosten zurück.
  • Bei einem Umsatzminus von mehr als 70 Prozent sind sogar bis zu 80 Prozent Ihrer fixen Betriebskosten erstattungsfähig.
  • Sie können maximal 150.000 Euro für die drei Monate erhalten.
  • Bei bis zu fünf Mitarbeitern ist die Erstattung für die drei Corona-Monate auf 9000 Euro, bei bis zu zehn Mitarbeitern auf 15.000 Euro gedeckelt – außer in „begründeten Ausnahmefällen“.

Berechnungsbeispiel mit dem Scopevisio-Tool

Angenommen, Sie haben eine GmbH mit sechs Mitarbeitern.

Jetzt benötigen Sie ein paar Zahlen zu Ihren Umsätzen im Corona-Jahr 2020 und im Vorjahr und natürlich Ihre Fixkosten.

Zuerst die Umsatzzahlen:

April 2019

Mai 2019

Gesamt 2019

95.123

97.989

193.112

Durchschnitt pro Monat

96.556

60 Prozent von 96.556 sind 38.622,40 Euro. Wenn der Durchschnittsumsatz von April und Mai 2020 unter dieser Schwelle liegt, sind Sie antragsberechtigt. Also berechnen Sie die Umsatzwerte:

April 2020

Mai 2020

Gesamt 2020

37.523

39.145

76.668

Geteilt duch 2 ergibt im  Durchschnitt pro Monat

38.334

Das liegt knapp unter dem Schwellenwert von 38.622,40 Euro. Sie haben in April und Mai 2020 also mehr als 60 Prozent Umsatzeinbruch.

Mithilfe von Scopevisio prognostizieren Sie, dass der Umsatz in den Monaten Juni bis August 2020  voraussichtlich weiterhin mindestens 50 Prozent unter den Vorjahreswerten liegt. Das lassen Sie sich vom Steuerberater testieren.

Mit 50 Prozent weniger Umsatz qualifizieren Sie sich für eine Erstattung von bis zu 50 Prozent Ihrer fixen Betriebskosten. Aus Ihrer BWA ermitteln Sie deren Höhe:

Juni 2020

Juli 2020

August 2020

Summe

15.544

12.568

13.876

41.988

Maximale Erstattung (50%)

20.994

Davon erstattungsfähig

15.000

Mit sechs Mitarbeitern erhalten Sie allerdings nur eine Erstattung von maximal 15.000 Euro. Diese können Sie beantragen.

Als Scopevisio-Anwender können Sie diese Zahlen mit dem Überbrückungshilfen Kalkulator direkt aus Ihrer Unternehmenssoftware laden und die Berechnung automatisiert ausführen.

Wo ist der Haken?

Ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer muss bestätigen, dass die Umsatzrückgänge und fixen Betriebskosten, auf denen Ihr Antrag beruht, korrekt angegeben sind.

Und: Falls sich Ihr Geschäft wider Erwarten im Zeitraum von Juni bis August 2020 erholt und Sie doch wieder mehr Umsatz gemacht haben, müssen Sie Überzahlungen zurückerstatten.

Die Antragsfrist endet am 31. August 2020 und die Auszahlungsfrist am 30. November 2020. Also schnell den Überbrückungshilfen Kalkulator von Scopevisio anwerfen und ab zum Steuerberater, um das Vorgehen zu besprechen.

Eine Antragstellung ist auf der Webseite des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie möglich: www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de

Kurzarbeitergeld

Das Kurzarbeitergeld hat sich schon zu Beginn der Corona-Krise bewährt. Die Bundesregierung plant eine verlässliche Regelung auch über den 31.12.2020 hinaus.

Allerdings möchte man erst die weitere Entwicklung abwarten. Beschlüsse werden für den Monat September 2020 angekündigt.

Mehrwertsteuersenkung

Die Mehrwertsteuer wird befristet vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 gesenkt. Der reguläre Steuersatz sinkt dabei von 19 % auf 16 %, der reduzierte Steuersatz von 7 % auf 5 %.

Das kommt natürlich vor allem den Bürgern zugute, wenn die Verbraucherpreise sinken und mehr Einkommen für den Konsum verfügbar ist.

Unternehmen sehen die Mehrwertsteuersenkung skeptisch. Sie leiten die Steuer ohnehin nur durch und haben nichts davon. Außer einem enormen administrativen Aufwand. Denken Sie nur an Abschlagszahlungen, Gutscheine oder andere Konstrukte, bei denen das Geld vor und der Leistungsbezug in der steuerermäßigten Periode liegt. Verträge müssen geändert, Abonnements anders abgerechnet, Reisekosten anders verbucht werden und so weiter. „Chaos“ oder „Albtraum“ sind noch die schmeichelhaftesten Begriffe, die bei Industrieverbänden und Steuerberatern kursieren.

Dennoch: Unternehmen, die jetzt investieren wollen, gewinnen durch die ermäßigte Mehrwertsteuer vorübergehend etwas Liquidität. Zumal Investitionsförderungen locken. Das Konjunkturpaket enthält nämlich auch eine Förderung für die umweltfreundliche Modernisierung von Kfz-Flotten. Und eine befristete Wiedereinführung der degressiven Abschreibung.

Degressive Abschreibung

Investitionsgüter wie Maschinen schneller abschreiben: Das verbessert Ihre Liquidität und Bilanzrelationen. Als Investitionsanreiz ermöglicht die Bundesregierung für die Steuerjahre 2020 und 2021 die degressive Abschreibung beweglicher Wirtschaftsgüter. Sechs Milliarden Euro steckt sie in diesen Vorzieh-Effekt.

Wie hoch ist die degressive Abschreibung?

Unternehmen können bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit dem zweieinhalbfachen der gegenwärtigen AfA (Absetzung für Abnutzung) absetzen. Maximal 25 Prozent pro Jahr darf die Abschreibung betragen.

Verlustrücktrag

Klingt sperrig, ist aber genial. Mit dem Verlustrücktrag können Sie sich Steuervorauszahlungen zurückholen, die Sie 2019 geleistet haben.

Der steuerliche Verlustrücktrag wird für 2020 und 2021 auf maximal fünf Millionen Euro (zehn Millionen Euro bei Zusammenveranlagung) erweitert.

So funktioniert der Verlustrücktrag

Der Verlustrücktrag beruht auf folgenden Überlegungen:

  • Sie haben 2019 Steuervorauszahlungen geleistet.
  • 2020 rechnen Sie wegen der Corona-Krise mit einem Verlust.
  • Theoretisch könnten Sie erst am Ende des Jahres diesen Verlust nachweisen und mit Gewinnen des Vorjahres verrechnen – genau darum geht es bei einem Verlustrücktrag.
  • In dem Fall würden die Vorauszahlungen zu spät erstattet, um Ihnen durch die Krise zu helfen.
  • Also dürfen Sie den Verlust 2020 schätzen und aufgrund dieser Schätzung mit den Gewinnen des Vorjahres verrechnen.
  • Sie können den Rücktrag schon in der Steuererklärung 2019 finanzwirksam einsetzen, z. B. als Corona-Rücklage.
  • Die zu viel gezahlten Vorauszahlungen bekommen Sie erstattet.
  • Das hilft Ihnen jetzt, da Sie es nötig haben, durch die Krise.

Wo ist der Haken beim Verlustrücktrag?

Ihre Corona-Rücklage müssen Sie spätestens bis zum Ende des Jahres 2022 aufgelöst haben. Und wenn sich Ihre Finanzen doch besser entwickeln, als Sie geschätzt haben, müssen Sie die Steuererstattung wieder erstatten.

Einfuhrumsatzsteuer

Die Fälligkeit der Einfuhrumsatzsteuer wird auf den 26. des Folgemonats verschoben. Deutsche Unternehmen sollen dadurch 5 Milliarden Euro mehr Liquidität bekommen. Dies soll ihnen gegenüber vielen europäischen Nachbarländern Chancengleichheit verschaffen. Die Bundesregierung spricht von einem „level playing field“.

Besteuerung als Kapitalgesellschaft

Personengesellschaften bekommen die Option, sich als Kapitalgesellschaften besteuern zu lassen. Außerdem hebt die Bundesregierung den Ermäßigungsfaktor bei Einkünften aus Gewerbebetrieb auf das Vierfache des Gewerbesteuer-Messbetrags an.

Diese Maßnahmen sollen die Wettbewerbsfähigkeit von Personengesellschaften stärken. Sie werden über eine Modernisierung des Körperschaftssteuerrechts eingeführt.

Falls Ihr Unternehmen eine Personengesellschaft ist, empfehlen wir den Gang zum Steuerberater. Dieser wird Sie über das Für und Wider des Optionsmodells zur Körperschaftssteuer aufklären.

Schutzschirm für Auszubildende

Die Ausbildung soll möglichst wenig unter der Corona-Krise leiden. Deshalb fördert die Bundesregierung Ausbildungsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen. Der Schutzschirm für Auszubildende sorgt dafür, dass Schulabsolventen ihre Ausbildung beginnen und Auszubildende ihre laufende Ausbildung ordentlich beenden können.

Artikelbild Konjunkturpaket Corona2

Prämien für ausbildende Unternehmen

Diese Prämien erhalten Sie für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag:

  • Wenn Sie gleich viele Azubis einstellen wie im Vorjahr, bekommen Sie pro Kopf 2.000 Euro Prämie.
  • Wenn Sie mehr Azubis einstellen als im Vorjahr, bekommen Sie für die zusätzlich geschaffenen Ausbildungsplätze je 3.000 Euro Prämie.

KMU, die ihre Ausbildungsaktivität trotz Corona-Belastungen fortsetzen und Ausbilder sowie Auszubildende nicht in Kurzarbeit bringen, können eine Förderung erhalten.

Verbund- und Auftragsausbildung

KMU, die die Ausbildung im Betrieb nicht fortsetzen können, sollen die Möglichkeit einer vorübergehenden geförderten betrieblichen Verbund- oder Auftragsausbildung erhalten.

Die genauen Details werden im Rahmen der Allianz für Aus- und Weiterbildung erörtert. Betriebe, die zusätzlich Azubis von einem insolventen Unternehmen einstellen, damit diese ihre Ausbildung beenden können, erhalten eine Übernahmeprämie. So heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Allianz für Aus- und Weiterbildung vom 26. Mai 2020.

Automotive-Investitionsförderung

Sind Sie ein Zulieferbetrieb der Automobilbranche? Stellen Sie innovative Technologien her? Dann könnte dies hier für Sie interessant sein.

Mit einer Milliarde Euro fördert das Konjunkturpaket Zukunftsinvestitionen von Herstellern und Zulieferern in der Automobilindustrie. Die Förderung ist auf die Jahre 2020 und 2021 befristet.

Was sind Zukunftsinvestitionen?

Die Förderung gilt für Investitionen in neuen Technologien, Verfahren und Anlagen, konkret für die Forschung und Entwicklung für transformationsrelevante Innovationen und neue regionale Innovationscluster.

Förderung der E-Mobilität

Handwerker, Frachtführer und Unternehmen mit Dienstwagen-Fuhrpark freuen sich über den neuen Klima-Elan der Bundesregierung. Denn sie erhalten großzügige Förderung für ihre Flottenmodernisierung.

Innovationsprämie für E-Autos

Der Bund verdoppelt seine Förderung von Kraftfahrzeugen mit Elektromotor. Wenn Sie zum Beispiel einen elektrischen Dienstwagen oder ein Lieferfahrzeug mit einem Listenpreis von 40.000 Euro kaufen, erhalten Sie vom Bund 6.000 Euro Förderung statt wie bisher nur 3.000 Euro.

Das Programm ist befristet bis zum 31. Dezember 2021. Es soll drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Klimafreundliche Antriebe fördern, Unternehmen sponsern und die Nachfrage ankurbeln.

Nutzfahrzeuge und Ladeinfrastruktur

Auch für Elektro-Busse und -LKW und die dafür notwendige Lade-Infrastruktur gibt es bis Ende 2021 Fördergelder.

Zuschüsse beim Austausch alter Euro-3- bis Euro-5-Fahrzeuge gegen neue Euro-VI-Fahrzeuge sollen sauberere Lastwagen im Schwerlastverkehr fördern und den Umstieg auf klimafreundliche Antriebe europaweit vorantreiben.

Forschung und Wissenschaft

Forscht Ihr Unternehmen? Der Bund will Anreize schaffen, dass Sie trotz der Corona-Krise weiter in Forschung und Entwicklung investieren. Deshalb erhöht er die steuerliche Forschungszulage.

Der Fördersatz wird von Anfang 2020 (rückwirkend) bis Ende 2025 auf maximal vier Millionen Euro Bemessungsgrundlage je Unternehmen gewährt.

Die geplanten Investitionen bis 2025 in Künstliche Intelligenz (KI) werden von 3 Milliarden Euro auf 5 Milliarden Euro erhöht. Damit wird ein wettbewerbsfähiges europäisches KI-Netzwerk unterstützt.

Der Bund unterstützt die großen außeruniversitären Forschungsorganisationen mit jeweils einem Fonds. Daraus erhalten erfolgversprechende Projekte von Firmen, die besonders von Corona betroffen sind, eine Ersatzfinanzierung. Das soll den Abbruch der Forschungsarbeiten verhindern.

Inländische medizinische Güter

Die Koalition will medizinische Schutzausrüstung, Medikamenten-Wirkstoffe und Impfstoffe in Zukunft verstärkt in Deutschland fertigen lassen. Damit möchte man sich von Lieferungen aus Schwellenländern unabhängiger machen. Der Bund legt daher ein Programm zur Förderung der flexiblen und im Falle einer Epidemie skalierbaren inländischen Produktion wichtiger Arzneimittel und Medizinprodukte auf.

Kommunikationstechnologien

„Wir wollen bei den zukünftigen Kommunikationstechnologien 5G und perspektivisch 6G in der Weltspitze als Technologieanbieter eine führende Rolle einnehmen und unterstützen den technologischen Wandel frühzeitig. Bei diesen Technologien wird die Bedeutung von Software in der Netzsteuerung dominieren. Dies eröffnet uns die Chance, unsere digitale Souveränität und zugleich die Innovationskraft unserer Unternehmen zu stärken.“, konstatiert der Koalitionsausschuss im Konjunkturpaket.

Zwei Milliarden Euro steckt der Bund daher in innovative Unternehmen, die neue, softwaregesteuerte Netztechnologien entwickeln und erproben. Den Markteintritt für solche innovativen Netztechnologien möchte die Bundesregierung erleichtern, etwa durch regulatorische Maßnahmen, die europaweit auf eine bessere Interoperabilität von Netzkomponenten zielen.

Geht Ihr Unternehmen durch Corona insolvent, könnte das doch ein neues Geschäftsmodell für Sie sein.

Ausbau der Infrastruktur

Das Konjunkturpaket soll den digitalen Wandel und die Modernisierung von maroden staatlichen Einrichtungen ankurbeln.

Zukunftsprogramm Krankenhäuser

Der Bund legt ein „Zukunftsprogramm Krankenhäuser“ auf, das notwendige Investitionen von Krankenhäusern fördert.

Außerdem sollen die Gesundheitsämter technisch und digital aufrüsten. Sie bekommen Geld für Hard- und Software, zur Verbesserung des Meldewesens und für Informations- und Kommunikationstechnologie.

Ganztagsschulen und Kitas

Das Investitionsprogramm für den Ausbau von Ganztagsschulen und Ganztagesbetreuung wird beschleunigt. Länder, die 2020/2021 Mittel für Investitionen abrufen, erhalten die entsprechende Summe in den späteren Jahren der Laufzeit zusätzlich.

Um im Bereich Kindergärten, Kitas und Krippen den Kapazitätsausbau sowie Erweiterungen, Um- und Neubauten zu fördern, werden eine Milliarde Euro zusätzlich für Ausbaumaßnahmen, die 2020 und 2021 stattfinden, bereitgestellt.

Digitalisierung öffentlicher Einrichtungen

Die Verwaltungen sollen sich digitalisieren. Zehn Milliarden Euro nimmt der Bund in die Hand, um Aufträge und Investitionen jetzt vorzuziehen. Gemeint sind Digitalisierungsvorhaben in der Verwaltung, Sicherheitsprojekte sowie neue Rüstungsprojekte mit hohem deutschen Wertschöpfungsanteil, die noch in den Jahren 2020 und 2021 beginnen können.

Nach dem Onlinezugangs-Gesetz sind Bund, Länder und Kommunen verpflichtet, ihre Leistungen bis Ende 2022 auch digital über Verwaltungsportale anzubieten., u.a. damit Verwaltungsleistungen online zur Verfügung gestellt werden.

Mit drei Milliarden Euro fördert der Bund die flächendeckende, zügige Umsetzung dieser Vorgabe. Da Kommunen durch wegbrechende Gewerbesteuereinnahmen besonders unter der Corona-Krise leiden, wird das Geld dringend benötigt.

Das Smart-Cities-Programm wird um 500 Mio. Euro aufgestockt, damit Kommunen, die bisher leer ausgegangen sind, ebenfalls daran partizipieren können. Ziel ist es, durch clevere digitale Lösungen Ressourcen zu schonen.

Die Fördermilliarden für Digitalisierung nützen mittelbar auch Software-Herstellern, Hardware-Händlern und Schulungsanbietern. Die gestiegene Nachfrage füllt ihre Auftragsbücher.

Vergaberecht vereinfachen

Vorübergehend vereinfacht der Bund das Vergaberecht, damit die Förderungen schnell in Investitionen münden. Hierzu verkürzt er die Vergabefristen bei EU-Vergabeverfahren und passt Schwellenwerte für beschränkte Ausschreibungen und freihändige Vergaben in Deutschland an.

Die Grundsätze des Wettbewerbs, der Transparenz sowie der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit behalten ihre Gültigkeit. Auch die Länder sollen Vereinfachungen umsetzen.

„Die Koalition ist bestrebt, die Europäische Ratspräsidentschaft Deutschlands zu nutzen, um auf europäischer Ebene ein Programm zur Entbürokratisierung, zur Beschleunigung des Planungsrechts, zur Vereinfachung des Vergaberechts und zur Reform des Wettbewerbsrechts anzustoßen.“, heißt es weiter in der Konjunkturpaket-Prosa.

Anbieter und Vergabestellen dürften sich gleichermaßen über diese Entwicklung freuen. Allerdings lehrt die Erfahrung: Nicht überall, wo „Entbürokratisierung“ draufsteht, ist auch Entbürokratisierung drin.

Insolvenz verhüten, Neustart erleichtern

Der Bund unterstützt Unternehmen, die unverschuldet durch Corona in Schieflage geraten. Für Unternehmen, denen die Insolvenz droht, soll ein vorinsolvenzliches Restrukturierungsverfahren eingeführt werden. Wie das ausgestaltet werden soll, darüber schweigt das Papier der Koalition.

Für den schnellen Neustart nach einer Insolvenz verkürzt die Koalition das Entschuldungsverfahren für natürliche Personen auf drei Jahre. Flankierende Maßnahmen, eine Evaluation des Antragsverhaltens sowie die Befristung der Maßnahme sollen verhindern, dass diese missbraucht wird oder in die falsche Richtung geht.

Gebäudesanierung

Für die CO2-Gebäudesanierung gibt der Bund 2020 und 2021 eine Milliarde mehr aus. Zusätzlich stockt er die Förderprogramme des Bundes zur energetischen Sanierung kommunaler Gebäude auf und legt ein Programm zur Förderung von Klimaanpassungsmaßnahmen in sozialen Einrichtungen auf.

Die zwei Milliarden Euro, die das kostet, kommen auch Anbietern von Klimatechnik und energetischen Sanierungsmaßnahmen zugute.

Europäische EIB-Förderung für KMU

Und zum Schluss kommt ein richtig großer Batzen Geld: Nach dem Willen Deutschlands und Frankreichs soll die EU ein 540 Milliarden Euro schweres Kreditprogramm auflegen, „mit den Elementen des SURE-Programms für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, den Liquiditätsmaßnahmen durch die Europäische Investitionsbank EIB für kleine- und mittelständische Unternehmen und den Krediten für die Mitgliedstaaten durch des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM”.

Weiterführende Informationen: BMF-Papier „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken - Ergebnis Koalitionsausschuss 3. Juni 2020“ sowie www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de

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