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Quo Vadis Altersvorsorge?

Detlef Lülsdorf
Detlef Lülsdorf
Lesezeit: 3 min.

Ob früher oder später, die Altersvorsorge beschäftigt uns irgendwann alle. In einer Themenreihe beleuchtet der Autor speziell für die Scopeunity wissenswertes zu diesem Thema. Hier teilt er seine Einschätzung zur gesetzlichen Rentenversicherung und warum diese besser als ihr Ruf ist.

Pünktlich zum Herbstanfang und mit Blick auf das Jahresende sind Versicherungen und Banken besonders aktiv und wollen uns ihre Produkte verkaufen. Die Angst der Altersarmut ist omnipräsent. Aber wie wirtschaftlich sind die Angebote der Finanzdienstleister wirklich? Und warum wird die gesetzliche Rentenversicherung immer wieder schlecht geredet?

Die drei Säulen der Altersversorgung

Die drei Säulen der Alterssicherung bestehen zum einen aus dem öffentlich-rechtlichen Pflichtsystem:

  • Gesetzliche Rentenversicherung
  • Beamtenversorgung
  • Alterssicherung der Landwirte
  • Berufsständische Versorgung wie zB für Ärzte, Rechtsanwälte

Ergänzend folgt dann in der zweiten Säule die betriebliche Altersversorgung und die dritte Säule bilden die privaten Lebens- und Rentenversicherungsverträge.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist besser als ihr Ruf

Viele von uns denken, dass die gesetzliche Rentenversicherung sich nicht lohnt. Die demografische Entwicklung bereitet diesem umlagefinanzierten System große Probleme. Zumindest Banken und Versicherungen sind sich sicher, dass dieser Weg der Altersversorgung nicht rentabel ist. Wissenschaftlich gestützte Prognosen belegen jedoch das Gegenteil. Trotz des Demografieproblems erweist sich die gesetzliche Rente nicht nur als sicher, sondern auch vergleichsweise renditestark. Dies zeigt beispielhaft die nachfolgende Grafik aus dem Bericht des Sachverständigenrat aus dem Jahr 2016. Hiernach liegen die Renditen zwischen 2,25 und 4,5%.

 

Bersicht Zur Rentenversicherung

 

Die betriebliche Altersversorgung – Licht und Schatten

Arbeitgeber müssen – auf Nachfrage der Arbeitnehmer – eine betriebliche Altersversorgung durch Gehaltsverzicht anbieten. Steuerlich ist das attraktiv. Schließlich ist die Nettobelastung deutlich geringer als der investierte Bruttogehaltsteil. Doch Vorsicht ist geboten. Es gibt auch Nachteile. Der Steuervorteil wird in der Rentenphase zum Steuernachteil. Von dem als Rente oder Kapital ausgezahlten Betrag ist die volle Einkommenssteuer fällig. Zudem sinken die Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung, da dort entsprechend weniger Beiträge ankommen. Und gesetzlich Krankenversicherte müssen bei Auszahlung Abgaben an die Krankenkasse leisten. Die Folge: In vielen Fälle ist die Rendite unter der Inflationsrate. Somit lohnt sich diese Form der Alterssicherung oft nicht.

 

Die Lebensversicherung leidet unter der Nullzins-Politik

Private Lebens- und Rentenversicherungsverträge haben früher hohe Zinsen garantiert. Wer einen Vertrag zwischen Juli 1994 und Juni 2000 abgeschlossen hat, dem wurden 4% Zins garantiert.

 

Bersicht Zur Zinsentwicklung

Heutzutage sind es nur noch 0,90% und im Jahr 2021 wohl noch weniger.

Was viele nicht wissen:

  • Die Zinsen werden nur auf die eingezahlten Beiträge nach Abzug der teilweise sehr hohen Vertragskosten gewährt.
  • Und die meisten Versicherungstarife gewähren für die jährlichen Vertragsanpassungen (Dynamik) nur den neuen Garantiezins. Also eben nicht den zugesagten Zins bei Vertragsabschluss.

 

Nicht ohne Grund wundern sich viele Verbraucher, warum Sie bei Auszahlung weniger erhalten als geplant.

 

Über den Autor: Herr Lülsdorf ist gerichtlich zugelassener Rentenberater, Fachbuchautor und Rechtskommentator für das Recht der betrieblichen Altersversorgung. Darüber hinaus ist er auch Sachverständiger für die private Vorsorge. Seine Kanzlei für Versicherungsanalysen ist durch TV-Auftritte im WDR und durch diverse Fachbeiträge bundesweit bekannt. Auch in der Scopeunity schreibt er insbesondere über diese Themen.

Beiträge

zum Thema Altersvorsorge