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Corona-Mehrwert­steuersenkung: Was Sie konkret tun müssen

Dorothea Heymann-Reder
Dorothea Heymann-Reder
Lesezeit: 15 min.

Am 2. Juli 2020 versandte das BMF das Schreiben „Befristete Absenkung des allgemeinen und ermäßigten Umsatzsteuersatzes zum 1. Juli 2020“. Darin enthalten: Regelungen für die Anwendung der Mehrwertsteuersenkung aus dem Corona-Konjunkturpaket. Das 26 Seite lange Pamphlet ist starker Tobak für Nicht-Verwaltungsjuristen. Wir haben es gelesen und erklären Ihnen die wichtigsten Punkte. Und, was Sie jetzt tun müssen.

Wir erinnern uns: Der volle Mehrwertsteuersatz sinkt von 19 auf 16%; der ermäßigte von 7 auf 5%. Das gilt vom 1.7. bis 31.12.2020. Maßgeblich für den Mehrwertsteuersatz ist der Liefer- bzw. Leistungszeitraum. Betroffen sind auch innergemeinschaftliche Erwerbe.

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Umsatzsteuervoranmeldung und Umsatzsteuererklärung 2020
Einfuhrumsatzsteuer
Vorschüsse und Anzahlungen
Vorausrechnungen
Altverträge
Werklieferungen und Werkleistungen
Dauerleistungen wie Vermietung, Abonnement, laufende Services
Skonto, Rabatt oder Nachberechnung für Lieferungen vor dem 1. Juli 2020
Gutscheine einlösen
Leergutpfand
Jahresboni, Rückvergütungen und Treuerabatte
Telekommunikationsleistungen
Versorgungsleistungen, wie Strom, Gas und Wasser
Handelsvertreter und Handelsmakler
Hotels und Gaststätten
Umtausch
Umsatzsteuer B2B zu hoch ausgewiesen?
Istversteuerung – auf den Leistungszeitpunkt kommt es an
Mehrwertsteuersenkung – Scopevisio hilft

Umsatzsteuervoranmeldung und Umsatzsteuererklärung 2020

Sie müssen die abweichende Umsatzsteuer wie folgt in Ihre Voranmeldungen und Erklärungen übernehmen:

  • Wenden Sie den ermäßigten Mehrwertsteuersatz schon in der nächsten Umsatzsteuervoranmeldung Denken Sie daran, dass der Zeitpunkt der Leistung entscheidend ist. Für Umsätze, die im Juni 2020 getätigt wurden, gilt der reguläre Satz von 19 bzw. 7%. Für Leistungen, die ab Juli abgerechnet wurden, gilt der ermäßigte Satz von 16 bzw. 5%. Tragen Sie die relevanten Umsätze gesammelt in den Kennzahlen für Umsätze zu anderen Steuersätzen ein (Zeilen 28 und 35).

  • Dasselbe tun Sie in der Umsatzsteuererklärung für 2020. Hier tragen Sie die relevanten Umsätze in die Zeilen 45, 84 und 96 der Umsatzsteuererklärung ein.


Sie brauchen nicht zwischen Umsätzen zum allgemeinen Steuersatz und Umsätzen zum ermäßigten Steuersatz zu differenzieren.

Einfuhrumsatzsteuer

Die Umsatzsteuersätze von 16 Prozent und 5 Prozent werden auch bei der Berechnung der Einfuhrumsatzsteuer (§ 1 Abs. 1 Nr. 4 UmsatzsteuerG) angewendet. Auch hier gilt die Befristung für Importe vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020.

Vorschüsse und Anzahlungen

Angenommen, Sie haben vor dem 1. Juli 2020 Geld für Leistungen bekommen, die Sie erst im Ermäßigungszeitraum erbringen. Vielleicht haben Sie Anzahlungen erhalten oder Teilrechnungen mit Mehrwersteuerausweis im Voraus gestellt.

Sie haben also 19% Mehrwertsteuer im Voraus vereinnahmt auf Leistungen, für die Sie eigentlich nur 16% berechnen dürften, weil sie nach dem 1. Juli stattfinden.

Nicht schlimm, sagt der Fiskus, vorausgesetzt, die Schlussrechnung stimmt.

Berechnungen   Mehrwertsteueranpassung

Für Rechnungssteller heißt das:

  • Sie müssen keine Korrekturrechnungen versenden.

  • Ihr Kunde kann die volle Vorsteuer absetzen.

  • In der Schlussrechnung müssen Sie jedoch die Umsatzsteuer für die gesamte Leistung oder Teilleistung mit den ab 1. Juli geltenden Umsatzsteuer.-Sätzen ausweisen.

  • In der Umsatzsteuererklärung müssen Sie mit 19 oder 7% besteuerte Anzahlungen für Umsätze, die in den Ermäßigungszeitraum fallen, über eine negative Bemessungsgrundlage korrigieren. Dies tun Sie in Zeile 26 bzw. 27 der Umsatzsteuervoranmeldung und in Zeile 38 bzw. 41 der Umsatzsteuererklärung.

Für Rechnungsempfänger heißt das:

  • Sie können zunächst die volle Vorsteuer laut Rechnung ab.

  • Die Vorsteuerbeträge, die Sie absetzen, mindern Sie in der Zeile 52 der Umsatzsteuervoranmeldung Zeile 122 der Umsatzsteuererklärung durch den Differenzbetrag zwischen dem Steuerausweis laut Schlussrechnung und der bereits geltend gemachten Vorsteuer. Tragen Sie sie einfach mit Minuszeichen ein.

Vorausrechnungen

Vorausrechnungen müssen den ermäßigten Mehrwertsteuersatz ausweisen, wenn die Leistung in den Ermäßigungszeitraum fällt.

Keine Zahlung vor dem 1. Juli 2020

Wenn Sie vor dem 1. Juli eine Rechnung gestellt haben und die Leistung in den Ermäßigungszeitraum fällt, dann müssen Sie auf der Rechnung den ermäßigten Mehrwertsteuersatz ausweisen.

Haben Sie bei einer Werklieferung, Werkleistung oder Dauerleistung vor dem 1. Juli 2020 Teilleistungen vereinbart und für die gesamte Leistung eine Vorausrechnung zu den alten, regulären Steuersätzen gestellt, müssen Sie diese Rechnung berichtigen. Das heißt, Sie schicken dem Kunden eine Korrekturrechnung. (Rz 10)

Zahlung vor dem 1. Juli 2020

Angenommen, Sie haben im Juni 2020 eine Vorausrechnung für Leistungen gestellt, die in den Ermäßigungszeitraum fallen, und deshalb die ermäßigte Mehrwertsteuer. ausgewiesen. Jetzt zahlt Ihr Kunde jedoch schon vor dem 1. Juli.

Nun haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Sie lassen es beim ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Der ist korrekt, schließlich fällt die Leistung ja auch in den Ermäßigungszeitraum.

  2. Sie lesen das BMF-Papier ganz genau und lernen, dass in diesem Fall die Umsatzsteuer zu den Sätzen von 19 bzw. 7% entsteht. Sie müssten also eine Korrekturrechnung mit 19 bzw. 7% stellen. Auch Ihr Kunde darf in diesem Fall den vollen Steuersatz als Vorsteuer abziehen.

Aus diesen beiden Optionen können Sie sich die einfachste aussuchen. (Rz 11)

Bei Istversteuerung

Wenn Sie Anzahlungen mit 19 bzw. 7% Mehrwertsteuer für Leistungen bekommen haben, die im Ermäßigungszeitraum stattfinden, müssen Sie das in Ihren Meldungen wie folgt korrigieren (Rz 12):

  • In der Umsatzsteuervoranmeldung tragen Sie für den Voranmeldungszeitraum der Leistungsausführung in die Zeile 26 bzw. 27 eine negative Bemessungsgrundlage ein.

  • Dasselbe tun Sie in Zeile 38 bzw. 41 der Umsatzsteuererklärung für das Kalenderjahr 2020.

Wiederanhebung der Mehrwertsteuer nach dem 31. Dezember 2020

Wenn Sie im Ermäßigungszeitraum eine Anzahlungsrechnung für eine Leistung geschrieben haben, die erst nach dem Ermäßigungszeitraum erbracht wird, d. h. ab 1. Januar 2021, können Sie in der Anzahlungsrechnung trotzdem den ermäßigten Mehrwertsteuersatz berechnen, sofern Sie dies später in der Schlussrechnung korrigieren.

Altverträge

Altverträge, die vor dem 1. Juli2020 geschlossen wurden, legen den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 bzw. 7% zugrunde. Im Ermäßigungszeitraum müssen diese Verträge natürlich mit den ermäßigten Sätzen abgerechnet werden. (Rz 14)

Die gute Nachricht: Sie müssen die Umsatzsteuer-Differenz nicht zwingend an Ihre Kunden weitergeben. Umgekehrt haben diese allerdings einen Anspruch auf Ausgleich, wenn der Vertrag vor dem 1. März 2020 geschlossen worden ist. (Rz 15)

Werklieferungen und Werkleistungen

Manche Werklieferungen und -leistungen lassen sich nicht so einfach in Teilleistungen aufspalten. In dem Fall rechnen Sie die gesamte Werklieferung oder -leistung zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz ab, wenn sie im Ermäßigungszeitraum ausgeführt wird. (Rz 20)

Dauerleistungen wie Vermietung, Abonnement, laufende Services

Wenn Sie lang laufende Verträge mit Ihren Kunden schließen (oder selbst Kunde solcher Verträge sind), dann ist dies für Sie wichtig.

Was sind Dauerleistungen?

Beispiele für Dauerleistungen sind:

  • Vermietungen
  • Leasingverträge
  • Telefon- und Internet-Verträge
  • Wartungsverträge
  • Laufende Finanz- und Lohnbuchhaltung
  • Abonnements
  • Software-as-a-Service

Strom, Gas und Wasser fallen nicht unter diese Vorschriften. Sie werden besonders behandelt, weil sie nach Ablesezeiträumen berechnet werden. Wir gehen weiter unten darauf ein.

Sie berechnen die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Ihre Dauerleistungen,

  • wenn die Leistung auf einen Tag im Ermäßigungszeitraum entfällt oder, falls das nicht bestimmt werden kann,
  • wenn der Leistungszeitraum an einem in den Ermäßigungszeitraum fallenden Tag endet.

Beispiele

Nehmen wir an, Sie sind Buchhalter und fakturieren immer monatlich Ihre Leistung. Der Leistungszeitraum läuft vom 15. des Monats bis zum 14. des Folgemonats. Dann würden Sie am 14. Juli 2020 Ihre Leistung für diesen Monat mit 16% Mehrwertsteuer belegen. (Rz 24)

Angenommen, Sie stellen Jahresrechnungen, zum Beispiel jedes Jahr zum 31. Dezember. Dann stellen Sie diese Rechnung für 2020 mit dem ermäßigten Satz von 16 bzw. 5%. Sie brauchen keine zwei Teilrechnungen zu erstellen. Der letzte Tag Ihrer Abrechnungsperiode fällt in den Ermäßigungszeitraum, das alleine zählt.

Verträge abändern

Wenn Ihre Dauerleistung auf einem Vertrag beruht und dieser Vertrag gleichzeitig als Rechnung und Buchungsbeleg verwendet wird, müssen Sie den Vertrag ändern.

Dazu genügt es, eine kleine Zusatzvereinbarung zu schließen, aus der der unter Bezug auf den Vertrag alle erforderlichen Informationen zum Entgelt und Steuersatz für den Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 hervorgeht.

Sollten Sie den kompletten Vertrag abändern, achten Sie bitte darauf, dass auch weiterhin alle Pflichtangaben für Rechnungen enthalten sind. Nur dann kann Ihr Kunde Vorsteuer abziehen. (Rz 24)

Mehrwertsteueranpassung   Rabatt

Skonto, Rabatt oder Nachberechnung für Lieferungen vor dem 1. Juli 2020

Wird ein Rechnungsbetrag im Ermäßigungszeitraum durch Skonto vermindert oder durch Nachberechnung erhöht, und der Umsatz wurde vor dem 1. Juli 2020 erbracht, dann ändert sich die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer.

Als Lieferant müssen Sie den geschuldeten Umsatzsteuerbetrag berichtigen. Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen muss dies der Leistungsempfänger tun, weil er hier der Steuerschuldner ist.

Dabei müssen Sie den regulären Mehrwertsteuersatz von 16 bzw. 5% zugrunde legen, ganz gleich, ob Sie Istversteuerer sind oder Sollversteuerer. (Rz 27)

Gutscheine einlösen

Mit Rabattgutscheinen bekommen Kunden einen Preisnachlass beim Händler. Was geschieht, wenn ein Gutschein vor dem Ermäßigungszeitraum mit 19% ausgegeben wurde und erst im Ermäßigungszeitraum eingelöst wird? Sogar das BMF konzediert, dass „die dazu erforderliche Aufteilung der Einlösungsbeträge auf die vor dem 1. Juli 2020 und die nach dem 30. Juni 2020 ausgeführten Umsätze […] in der Praxis erfahrungsgemäß Schwierigkeiten“ bereitet.

Das veranlasste die klugen Köpfe im Finanzministerium zu einem gleichsam salomonischen Urteil. Sie nennen es „Vereinfachung“. (Rz 29-30):

  • Wenn Sie die von Ihnen zum regulären Steuersatz ausgegebenen Rabattgutscheine in den ersten beiden Monaten des Ermäßigungszeitraums, d.h. vom Juli bis 31. AugUmsatzsteuer erstatten, dürfen Sie noch 19% bzw. 7% Umsatzsteuer berechnen bzw. als Vorsteuer ansetzen.

  • Wenn Sie die von Ihnen ausgegebenen Rabattgutscheine in den letzten vier Monaten des Ermäßigungszeitraums, d.h. vom September bis 31. Dezember erstatten, müssen Sie 16% bzw. 5% Umsatzsteuer berechnen bzw. als Vorsteuer ansetzen.

  • Derselbe zweimonatige Übergangszeitraum gilt bei der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer.: Wenn Sie die von Ihnen zum ermäßigten Steuersatz ausgegebenen Gutscheine in den ersten beiden Monaten nach dem Ermäßigungszeitraum, d.h. vom Januar bis 28. Februar erstatten, dürfen Sie noch 16% bzw. 5% Umsatzsteuer berechnen bzw. als Vorsteuer ansetzen. Danannch gilt bei der Erstattung von Gutscheinen wieder der höhere Mehrwertsteuersatz. (Rz 49)

  • Wird allerdings ein anderer Unternehmer durch die Änderung der Bemessungsgrundlage wirtschaftlich begünstigt, muss dieser seinen Vorsteuerabzug berichtigen.

  • Einzweckgutscheine werden im Moment ihrer Ausgabe an den Kunden besteuert. Wann dieser die Leistung abholt, ist nicht relevant. Sie geben am 29. Juni einen Gutschein aus, der Gutschein wird am 2. Juli 2020 eingelöst, die Umsatzsteuer ist 19%.

Leergutpfand

Für Leergutpfand gilt: Wenn der zugrunde liegende Umsatz, nennen wir ihn einmal „Getränkekauf“, dem regulären Steuersatz unterliegt, gilt das auch für den Leergutpfand, aber nur für 1. Juli bis 30. September 2020. Löst der Getränkemarkt-Kunde seinen Pfand erst ab 1. September bis 31. Dezember 2020 ein, setzen Sie diesen Pfand mit ermäßigter Umsatzsteuer an. (Rz 31)

Für die  Wiederanhebung der Mehrwertsteuer ab 1. Januar 2021 gilt derselbe dreimonatige Übergangszeitraum. Pfanderstattungen bis 31. März 2021 unterliegen 16% Mehrwertsteuer, Erstattungen ab 1. April (!) wieder dem vollen Satz von 19%.

Dabei unterstellt die Finanzbehörde, dass sich die Waren in den Pfandbehältern viermal jährlich umschlagen. Sollte das in Ihrem Geschäft nicht der Fall sein (z. B. Pfand für Castor-Behälter), dann können sie einen abweichenden durchschnittlichen Umschlagszeitraum mit Ihrem freundlichen Finanzamt von nebenan vereinbaren.

Jahresboni, Rückvergütungen und Treuerabatte

Viele Unternehmen geben treuen Kunden Rabatt. Treuerabatte sind sogenannte Entgeltminderungen. Sie ändern die Bemessungsgrundlage für Ihre Umsatzsteuer (§ 17 Abs. 1 UmsatzsteuerG.). Rabattierte Umsätze von 1. Juli bis 31. Dezember 2020 müssen Sie in der Umsatzsteuervoranmeldung mit den reduzierten Mehrwertsteuersätze angeben (Rz 32). Auch Ihrem Kunden gegenüber müssen Sie diese reduzierten Sätze im Kaufbeleg angeben.

Wenn Sie die Umsätze, die in den Ermäßigungszeitraum fallen, nicht sauber von den anderen Umsätzen trennen können, können Sie diese auch prozentual aufteilen. Zur Vereinfachung ermöglicht das BMF dieses Verfahren:

„Eine Jahresrückvergütung für das gesamte Kalenderjahr 2020 kann zu 50 Prozent (Januar bis Juni) mit 7 Prozent bzw. 19 Prozent und zu 50 Prozent (Juli bis Dezember) mit 5 Prozent bzw. 16 Prozent berücksichtigt werden, unabhängig davon, wann die zugrundeliegenden Umsätze ausgeführt wurden.“

Und wenn selbst das nicht klappt, können Sie auf die Aufteilung auch ganz verzichten und „der Steuerberichtigung nach § 17 Abs. 1 Satz 1 UmsatzsteuerG ausnahmslos den allgemeinen Steuersatz von 19 Prozent zugrunde“ legen. Ihr Kunde muss dies dann entsprechend auch beim Vorsteuerabzug tun. (Rz 33)

Telekommunikationsleistungen

Diese sind Dauerleistungen, die auf Verträgen beruhen und periodisch abgerechnet werden. Wenn der 1. Juli 2020 in einen Abrechnungszeitraum fällt, können Sie einen zusätzlichen Abrechnungszeitraum einziehen, der am 30. Juni 2020 endet, um die beiden Mehrwertsteuer-Perioden taggenau zu trennen.  Oder Sie können den betreffenden Zeitraum als Teilleistung behandeln.

Versorgungsleistungen, wie Strom, Gas und Wasser

Strom, Gas und Wasser werden in der Regel nach Ablesezeiträumen fakturiert. Wenn ein solcher Zeitraum vor dem 1. Juli beginnt und danach endet, sind 16 bzw. 5 % Umsatzsteuer. zu verwenden. Wenn er vor dem 31. Dezember 2020 beginnt und danach endet, sind es wieder die vollen 19 bzw. 7 %. Sie können auch verkürzte Ablesezeiträume einführen, um den Ermäßigungszeitraum genau abzugrenzen, oder die Lieferungen eines Ablesezeitraums, der sich über beide Steuerzeiträume erstreckt, nach Tagen anteilig mit dem jeweils gültigen Mehrwertsteuersatz belegen. (Rz 35)

Rechnungen über Abschlagszahlungen, die mit voller Mehrwertsteuer gestellt wurden, deren Lieferung aber in den Zeitraum mit ermäßigter Mehrwertsteuer fällt, müssen Sie nicht berichtigen. Es genügt, wenn Sie in der Endabrechnung die Mehrwertsteuer korrigieren. (Rz 37)

Handelsvertreter und Handelsmakler

Vertreterleistungen werden mit dem Satz besteuert, der gültig ist, wenn das vertretene Unternehmen – der Auftraggeber des Vertreters – liefert oder leistet. (Rz 42)

Die Leistung eines Maklers gilt als ausgeführt, wenn er seine Schlussnote erteilt (§ 94 HGB). Erteilt er sie nach dem 30. Juni 2020, gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 16%. (Rz 43)

Hotels und Gaststätten

Bewirtungen in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 2020 unterliegen schon dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Das gilt für Imbiss-Stände ebenso wie für Luxusrestaurants. Sie können ihre Kasse am Abend des 30.6. auf den neuen Mehrwertsteuersatz von 5% umstellen.

Eine Hotelübernachtung ist eine Leistung, die erbracht ist, wenn der Gast aufwacht. Daraus folgt, dass eine Beherbergung vom 30. Juni auf den 1. Juli 2020 bereits dem reduzierten Mehrwertsteuersatz unterliegt. Analog erhöht sich die Mehrwertsteuer wieder in der Silvesternacht von 2020 auf 2021. (Rz 44)

Zwei für wichtige Regelungen für Kombi-Angebote gelten vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021:

  • Gastronomen dürfen bei Büffets und Angeboten, die Speisen und Getränke enthalten, den Getränkeanteil pauschal auf 30% des Gesamtpreises veranschlagen.

  • Bei Servicepauschalen von Hotels wird der Pauschalanteil der nicht-ermäßigten Leistungen auf 15% gesenkt (vormals 20%).

Umtausch

Angenommen, Sie haben Ende Juni etwas zu 19% Mehrwertsteuer verkauft und Anfang Juli kommt der Kunde zurück und möchte die Ware umtauschen.

Juristen sehen das so, dass der ursprüngliche Kauf (mit 19% Mehrwertsteuer) rückabgewickelt wird und ein neuer Kauf (mit 16% Mehrwertsteuer) stattfindet. (Rz 45)

Umsatzsteuer B2B zu hoch ausgewiesen?

Wenn Sie eine Leistung aus dem Monat Juli 2020 gegenüber einem anderen Unternehmen mit 19% Mehrwertsteuer berechnet und diese Steuer abgeführt haben, müssen Sie die Rechnung nicht nachträglich korrigieren. Auch Ihr Kunde kann die Vorsteuer von 19% in diesem Übergangsmonat noch abziehen. Für Leistungen, die ab dem 1. AugUmsatzsteuer 2020 erbracht werden, endet diese Regelung (Rz 46).

Istversteuerung – auf den Leistungszeitpunkt kommt es an

Bei der Istversteuerung versteuern Sie Einnahmen nicht bei Rechnungsstellung, sondern bei Zahlungseingang (Zuflussprinzip). Wie immer legen Sie auch hier den Mehrwertsteuersatz zugrunde, der für den Zeitpunkt der Leistung gilt. Haben Sie im Juni 2020 geliefert und erhalten im AugUmsatzsteuer 2020 den Kaufpreis, müssen Sie 19% bzw. 7% Mehrwertsteuer abführen. Haben Sie im November 2020 geliefert und bekommen im Januar 2021 Ihr Geld, rechnen Sie mit den ermäßigen Mehrwertsteuersätzen von 16 bzw. 5%.

Wenn Ihr Kunde in Teilbeträgen zahlt, gibt es eine Vereinfachung: Sie können die Umsatzsteuer für den Voranmeldungszeitraum berechnen, in dem Sie den letzten Teilbetrag erhalten. Das heißt, wenn Sie den letzten Teilbetrag im Januar 2021 bekommen, können Sie „die Umsatzsteuer, soweit sie noch auf die vor dem 1. Januar 2021 vereinnahmten Teilentgelte entfällt, für den Voranmeldungszeitraum berechnen und entrichten, in dem der letzte Teilbetrag vereinnahmt wird“. (Rz 48)

Mehrwertsteuersenkung – Scopevisio hilft

Scopevisio hat seinen Kunden von Anfang an geholfen, die Corona-bedingten Umstellungen gut zu verkraften. Wir haben eine kostenlose Homeoffice-Lösung bereitgestellt, unsere Software aktualisiert und einen Überbrückungsgeld-Kalkulator ins Netz gestellt. Unser Professional Service bietet ein spezielles Konjunkturpaket-Paket an.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Corona-Konjunkturpaket: Was ist drin für Ihr Unternehmen?
Überbrückungshilfen-Rechner
Vorbereitung auf die neuen Mehrwertsteuersätze
Umsetzung des Konjunkturpakets in der Scopevisio-Software
Expertenkurs Mehrwertsteueranpassung

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