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Industrie 4.0: Automatisierung im Zeitalter des Menschen

Dr. Lukas Mohr
Dr. Lukas Mohr
Lesezeit: 4 min.

In der Industrie 4.0 werden Aufgaben zunehmend durch Maschinen übernommen. Wie passt diese Entwicklung in das ausgerufene Menschenzeitalter? Sehr gut: Durch intelligente Automatisierung können wir Entlastungspotenziale realisieren und uns kreativen sowie herausfordernden Aufgaben widmen.

Willkommen im Anthropozän, dem Menschenzeitalter

Das Anthropozän, auch Zeitalter des Menschen genannt, bezeichnet eine neue geochronologische Epoche. Kennzeichnend für diese Epoche ist, dass der Mensch zu einer zentralen Kraft auf der Erde geworden ist und die Welt maßgeblich beeinflusst. Dieser Einfluss ist ähnlich stark zu werten wie der eines Meteoriteneinschlags. Auch wenn der Vergleich zunächst diffus klingen mag, bedenke man folgendes: Ein Meteoriteneinschlag war für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich und hat damit erst den Grundstein der menschlichen Entwicklung gelegt.

Das Industriezeitalter: Die vier industriellen Revolutionen

Das Anthropozän stellt noch ein sehr junges Zeitalter dar, das etwa ab 1800 begann. Dieses Datum ist nicht willkürlich gewählt, sondern spiegelt den Beginn einer entscheidenden technologischen Entwicklung wider: Der Industrialisierung und damit dem Beginn des industriellen Zeitalters und somit den Anfängen der ersten industriellen Revolution.

Die Dampfmaschine, die maßgeblich die erste industrielle Revolution eingeleitet hat, führte zu einem nie dagewesenen Produktivitätsanstieg und zu einem rasanten Technologieschub. Jetzt befinden wir uns in den Anfängen der Industrie 4.0, der vierten industriellen Revolution. Die Automatisierung, die die dritte industrielle Revolution darstellt, wird hier um die Digitalisierung ergänzt. Maschinen können sich über das Internet vernetzen, cyber-physische Systeme entstehen, die große Datenmengen erheben und über das Internet teilen können.  

Big Data – Big Insights

Es sind gerade diese Datenmengen, die einen entscheidenden Einfluss auf unsere technologische und gesellschaftliche Entwicklung nehmen. Algorithmen können die erhobenen Daten automatisiert auswerten und dadurch neue Erkenntnisse zu Tage tragen. Im industriellen Kontext schaut man sich bspw. das Konzept der „vorausschauenden Wartung“ an. Maschinen werden hier mittels „künstlicher Intelligenz“ befähigt, einen drohenden Defekt frühzeitig zu antizipieren. In der Gedankenwelt der Industrie 4.0 bezeichnet die finale Entwicklungsstufe dann die „dunkle Fabrik“, in der Maschinen, ohne Lichtquelle, Tag und Nacht autonom durcharbeiten können. Im wahrsten Sinne des Wortes kann man dann auch von einem dunklen Zeitalter der Technologie sprechen. Welche Rolle dann dem Menschen im Anthropozän noch zukommt, ist eine entscheidende Frage unserer Zeit.

Vom Anthropozän zum Technozän, dem Zeitalter der Maschinen?

Kann man daher richtigerweise schon von dem Technozän sprechen? Also dem Zeitalter der Technologie? Richtig ist, dass durch die vierte industrielle Revolution einzelne Arbeitsplätze wegfallen werden und der Technologie ein zunehmender Stellenwert zukommt. Dennoch besteht Grund zum Optimismus, dass mindestens aber auch genauso viele neue Jobs entstehen werden. Dieser Optimismus wird durch die historische Betrachtung der drei vorangegangenen industriellen Revolutionen gestärkt. Auch hier sind Arbeitsplätze weggefallen, in der Summe aber mehr geschaffen worden. Trotz dieser Prognose ist es aber wichtig zu verinnerlichen, dass die Zukunft nicht vorhersehbar ist.

Gerade daher ist es notwendig, dass wir alle die Bereitschaft aufweisen, lebenslang zu lernen und offen gegenüber neuen Impulsen sind. Nicht von ungefähr hat Steve Jobs in einer Abschlussrede vor Hochschulabsolventen die Worte gesagt: „Stay hungry, stay foolish“. Der Hunger nach Informationen und Wissen sowie die Bereitschaft, dies auch zu hinterfragen, muss eine entscheidende Fähigkeit in einer Zeit sein, die durch Digitalisierung und Automatisierung geprägt ist. Wir dürfen daher nicht in ein „Expertendenken“ verfallen, sondern müssen einen Anfängergeist entwickeln.

Automatisierung von Maschinen muss manuelle Denkweisen von Menschen zur Folge haben

Dass Maschinen Tätigkeiten autonom durchführen, ist vorteilhaft, da dadurch Aufgaben automatisiert werden, die monoton und wiederkehrend sind. Betrachten Sie beispielsweise Ihr Unternehmen und überlegen Sie, wie viele mühselige Aufgaben hier durch intelligente Automatisierung übernommen werden könnten. Übernehmen Maschinen diese Aufgaben, können wir uns kreativen und herausfordernden Tätigkeiten widmen. Der Mensch soll sich daher als Gegenspieler von Maschinen verstehen. Nicht automatisiert sollte er handeln, sondern sich durch manuelle Denkweisen auszeichnen. So darf beispielsweise der vergangene Erfolg nicht automatisch zu der Überlegung führen, ein Garant für den zukünftigen Erfolg zu sein. Verstärkt müssen wir solche automatischen Denkweisen hinterfragen und den Mut haben, uns selbst herauszufordern. Die Zeit, dies zu tun, gibt uns gerade wiederum die Automatisierung.

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